Publikum Freckenhorster Beerenobstseminar 2018. Foto: Tanja Dolic

Publikum Freckenhorster Beerenobstseminar 2018. Foto: Tanja Dolic

 

Fragen zu Anbauverfahren wie Fertigation, Substratkultur oder Düngeverordnung  gibt es viele.
Antworten dazu bekamen Betriebsleiter auf dem diesjährigen 25. Freckenhorster Beerenobstseminar.

Auf der Jubiläumsveranstaltung gaben zahlreiche Berater, Versuchsleiter und Spezialisten ihre Expertise weiter.

 

Witterungsextreme: Nährstoffversorgung bei Freiland-Erdbeeren sichern

Reinhard Elfrich, Regionalberatung K+S Kali GmbH. Foto: Tanja Dolic

Reinhard Elfrich, Regionalberatung K+S Kali GmbH. Foto: Tanja Dolic

Bei zu hohen Temperaturen oder sehr hohen Niederschlägen stellt sich in Betrieben mit Freiland-Erdbeeren oft die Frage nach einer ausgewogenen Nährstoffversorgung – für ideale Wachstumsbedingungen.

So beeinflusst die Witterund die Nährstoffaufnahme:

  • Trockenheit hemmt die Nährstoffaufnahme von Kalium, Magnesium, Phosphor oder auch Zink.
  • Kälte hemmt die Aufnahme von Phosphor oder Schwefel.
  • Nach starken Niederschlägen ist die Aufnahme von Nitrat, Schwefel und Kalium, bei Nässe die von Magnesium gehemmt.

Was also dagegen tun?

Einige Hinweise gab Reinhard Elfrich, Regionalberatung K+S Kali GmbH.
Die Zugabe von Zucker und Kalium könne bei Freiland-Erdbeeren wie ein Frostschutzmittel wirken.

Das von ihm vorgestellte Mittel habe auch die Eigenschaft, den Gefrierpunkt der Spritzbrühe um bis zu zirka 10°C herabzusetzen.
Zudem kann die Zugabe von Kalium, beispielsweise über die Blattdüngung, auch bei Trockenstress der Pflanze helfen und den Wasserhaushalt regulieren.
Durch die Zugabe von Magnesium kann die Strahlungsintensität kompensiert werden.

Elfrichs Tipp:
Auf das Aussehen der Pflanzen achten. Schon dadurch könne man erste Anzeichen von Mangelerscheinungen an Nährstoffen und Spurenelementen erkennen.

 

Die neue Düngeverordnung

Verena Hersping, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Verena Hersping, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Eigentlich an den Belangen von Ackerbaubetrieben ausgelegt, stellt die neue Düngeverordnung gerade anbauende Betriebe mit Sonderkulturen vor besondere Herausforderungen.

Wichtige Neuerung:
Es muss eine schriftliche N- und P- Düngebedarfsermittlung vor dem Ausbringen des Düngers erstellt werden, erklärte Verena Hersping LWK NRW.

Der neuen Verordnung unterliegen Freilandkulturen mit und ohne Vliesabdeckung sowie Freilandkulturen im Damm oder Flachkulturen und Kulturen im Wandertunnel.

Bundeslandbezogen sind für Nordrhein-Westfalen derzeit Erdbeeren in geschlossenen Kulturverfahren, in bodenunabhängigen Kulturverfahren, Gewächshauskulturen und Kulturen in stationären Systemen von dieser Aufzeichnungspflicht gemäß der neuen Düngeverordnung befreit, WENN durch eine gesteuerte Wasserzufuhr die Nährstoffauswaschung verhindert wird.

Anhand von der LWK zur Verfügung gestellten Tabellen lässt sich die Bedarfsermittlung festhalten. Grundsätzlich sei zu bedenken: Seit 2018 werden die maximal erlaubten Überhänge um jeweils 10 kg abgesenkt.

 

Ergebnisse aus dem Versuchswesen

Felix Koschnick, Leiter Versuchsstation Langförden. Foto: Tanja Dolic

Felix Koschnick, Leiter Versuchsstation Langförden. Foto: Tanja Dolic

Wo geht die Reise hin?

Dieser Frage widmete sich Felix Koschnick, Leiter der Versuchsstation Beerenobst Langförden, bei der Vorstellung von Versuchsergebnissen zu Himbeeren und Heidelbeeren.

Tenor des Vortrags:
Geschützter Anbau wird immer stärker praktiziert. Ob es um den Anbau von Kulturen im Substrat oder Tunnel geht – er gab Hinweise:

  • Betreuung durch Spezialisten bei Substratkulturen werde immer stärker nachgefragt, da dieses Anbauverfahren fundiertes Fachwissen erfordert.
  • Im Substratanbau würden Lichtsysteme und Recycling stärker genutzt und angewendet.
  • Der Markt werde sich immer stärker zu einem Käufermarkt entwickeln.
  • Der LEH werde in Zukunft vermehrt Ware aus geschütztem Anbau fordern.

 

 

Erdbeeranbau aktuell: Philip Lieten

Philip Lieten, Erdbeer-Spezialberater Belgien. Foto: Tanja Dolic

Philip Lieten, Erdbeer-Spezialberater Belgien. Foto: Tanja Dolic

Philip Lieten, Erdbeer-Spezialberater aus Belgien, gab einen umfangreichen Überblick zu Klimaerfahrungen 2017 und zu Versuchsergebnissen.

Im Überblick:

  • Der Spätfrost im April 2017 hat insbesondere Deutschland schwer getroffen. Ernteausfälle von 20% – 80% seien zu verzeichnen.
  • Der verregnete Winter begünstigte vor allem Schwarz- und Rotwurzelfäule. Terminkulturen, Wartebeet- und Frigopflanzen wiesen 2017 etwa die 5-fache Menge an Schwarzwurzelfäule auf.
    Versuche zeigten, dass insbesondere mit älteren Mittel die besten Erfolge bei der Reduktion von Schwarzwurzelfäule erreicht wurden – im Ergebnis aber auch hier lediglich eine Reduktion um 10% – 20 %.

 

 

Erfahrungen mit Malling Centenary

Über die Malling Centenary berichtete Lieten:

  • Hervorragende Optik
  • Hohes Fruchtgewicht und gute Pflückleistung (20% größere Früchte im Vergleich zu Elsanta)
  • Schöne konische Fruchtform
  • Kaum missgebildete Früchte
  • Gute Haltbarkeit und kaum Fruchtfäule
  • Empfindlich gegenüber Regen und Sonnenbrand
  • Anfällig für Phytophthora cactorum, Verticiulium, Rhizoctonia im Tunnel und Pestalotiopsis in Traypflanzen

 

Erfahrungen mit neuer Juniträgersorte von Fresh Forward aus Holland

FF1602 heißt seit August 2017 Allegro. Zu Erfahrungen mit der Sorte im Hinblick auf Fruchtqualität, Fruchtform und über Anbautechnisches berichtete Lieten:

  • Ertrag liegt über dem von Rumba
  • Mittlere Fruchtgröße
  • Lange Blütenstiele und gute Pflückleistung
  • Sehr robust: weniger anfällig für Spätfrostschäden im Vergleich zu Clery
  • Lässt sich gut verfrühen (Folie oder Vlies)
  • Höheres Fruchtgewicht als Clery
  • Gleichmäßige und kegelförmige Früchte
  • Gute Festigkeit, schöner Glanz
  • Regenanfällig, aber wenig anfällig für Phytophthora cactorum, Verticilium, Botrytis und Mehltau
  • Anfälligkeiten: Colletotrichum, Schwarzwurzelfäule, Pestalotiopsis

Aktuell werden die Sorten 1701 (Frühsorte) und 1503 (Bereich Mittel bis Spät) getestet.

 

Pestalatiopsis – Was tun?

Der Bodenpilz ist seit längerem bekannt als Fruchtfäule oder Blattfleckenkrankheit.

Eigentlich aus subtropischen Gebieten stammend, tritt er seit zirka 2014 auch in westeuropäischem Anbau auf – fast immer in Tray- und Topfpflanzen. Frigo- und Wartebeetpflanzen seien hingegen weniger betroffen, erklärt Lieten.

Der Pilz entwickelt sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20°C und 24°C. Die Sporen können durch Spritzwasser, Maschinen und Wind verteilt werden.

Die Symptome:
Häufig treten die Symptome im Spätherbst bei feuchten und warmen Bedingungen auf.

Die Topf- und Traypflanzen wachsen dann schlechter an, und die Blätter verfärben sich violett.

Der Pilz sei schwer anhand der äußerlichen Merkmale zu diagnostizieren, da die Symptome stark denen der Phytophthora und Colletotrichum ähneln.

Es entstehen rote Blattstiele, und das Rhizom welkt. Außerdem stirbt nur ein Teil und nicht die ganze Pflanze ab.

Am Rhizom bildet sich dicht bei den Blattachseln braunrotes korkartiges Gewebe.
Da die Symptome sich erst sehr spät ausbilden, kann man häufig schwer reagieren – selbst beim Aussortieren ist es nicht gewährleistet, dass der Pilz nicht erneut ausbricht. Ein Ausfall von 15% bei einem befallenen Trayfeld sei nicht ungewöhnlich, so Lieten.

Lietens Tipp: Nicht zu tief Pflanzen – das könne eine Anfälligkeit an den Blattachseln begünstigen.

 

Bodenbürtige Krankheiten: Verticilium und Phytophthora

Dr. Monika Heupel, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Dr. Monika Heupel, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Dr. Monika Heupel, LWK NRW gab Hinweise zu bodenbürtigen Pilzkrankheiten im Beerenobstanbau.

Die Zunahme von bodenbürtigen Pilzkrankheiten sei vor allem dem Anstieg der Temperatur, weniger Frosttagen, Verlängerung der Vegetationsperiode, Zunahme der Niederschläge im Winterhalbjahr und der steigenden CO2-Gehalte der Atmosphäre geschuldet, so Heupel.

Vorbeugend könne man jedoch Maßnahmen ergreifen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Ein paar nicht abschließende Tipps:

  • Unkräuter als Infektionsquellen bekämpfen
  • Bodenstruktur erhalten
  • Bodenleben fördern
  • Zwischenfruchtanbau
  • Bestandskontrollen: kranke Pflanzen entfernen
  • Bodenanalysen und Nährstoffmanagement
  • Beregnungsmanagement

Verticilium, ein bodenbürtiger Gefäßparasit, besitze ein breites Wirtspflanzenspektrum und sei besonders wärmeliebend. Eine chemische Bekämpfung sei nicht möglich, so Heupel.

Ihr Tipp:

Kein Erdbeeranbau ohne prophylaktische Bodentestung auf Verticilium.

Zu Bedenken gibt sie:
ein Testergebnis könne nur so gut sein, wie es auch die eingereichte Bodenprobe ist.

Um den Verticilium-Gehalt des Bodens genau bestimmen zu können, müsse man daher flächenmäßig gleichmäßig verteilt mehrere Proben nehmen. Aus eine Mischprobe der einzelnen Proben könne man so einen repräsentativen Wert für die beprobte Fläche erhalten.

Schwer zu erkennen sei auch Phythophthora. Die Schadsymptome seien unterschiedlich. So mache sich dieser Pilz unter anderem bemerkbar durch:

  • Stumpfe Farbe der Blätter an den Austrieben
  • Blattwelke
  • Wuchsdepressionen
  • Wurzelfäule
  • Verfärbungen im Rhizom bzw. am Stängelgrund
  • Schrumpelige Früchte
  • Fruchtfall

Eine Bodentestung auf diesen Pilz gestalte sich als schwierig.

Zwar sei ein Test im Labor möglich, doch begünstige Wasser das Wachstum der Pilzsporen innerhalb von Stunden – ein mehrwöchiges Testverfahren hätte bei starken Niederschlägen zwischen Probenahme und Testergebnis somit wenig Aussagegehalt.

Eine wirksame Vorbeugung ließe sich demnach mit den eingangs erwähnten Bodenbearbeitungsmaßnahmen treffen.

 

Jubiläumsseminar

Mathilde Friederichsen und Hans Peter Goldnick. Foto: Tanja Dolic

„The spirit of Freckenhorst“, beschrieb Hans Peter Goldnick die Stimmung auf dem mehrtägigen Seminar.

Mit Blumen und lieben Worten bedankte er sich bei der Organisatorin und Seminarleiterin Mathilde Friederichsen für 25 Jahre qualitativ hochwertige Informationen auf den Freckenhorster Beerenobsttagen.

Ab 2019 steht das Seminar unter der Leitung von Karin Ziaja, Verena Hersping und Ulrich Bußmann.


 

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