Foto: Heike Sommerkamp

Mathilde Friederichsen

Volles Haus in der Landvolkshochschule Freckenhorst: Vom 23. bis zum 25. Januar trafen sich dort Erdbeeranbauer zum seit Monaten restlos ausgebuchten Beerenobstseminar. Unter der bewährten Leitung von Mathilde Friederichsen informierten sich Leiter und Mitarbeiter  von Betrieben aus dem ganzen Land über die neuesten Entwicklungen in Anbau-, Personal- und Managementfragen.

 

Foto: Heike Sommerkamp

Eric Boot

Eric Boot, renommierter Substratberater, referierte am Dienstagmorgen zur Fehlervermeidung bei Fertigation, Substrat- und Wasserqualität im geschützten Anbau.
Hier geht’s zu unserem Artikel über diesen Vortrag.

Mit interessanten Fotos, Filmen und Anekdoten beleuchtete er zudem Erfahrungen, die er auf Dienstreisen in China und Südkorea gesammelt hat.

 

 

 

 

 

Tunnel- und Stellagenplanung

Foto: Heike Sommerkamp

Ludger Linnemannstöns

Ludger Linnemannstöns, Versuchsleiter Obstbau im Gartenbauzentrum Köln-Auweiler der Landwirtschaftskammer NRW, referierte zunächst zur Tunnel- und Stellagenplanung.
Die Frage „darf ich das?“ war bau- und landschaftsschutzrechtlich gar nicht so einfach zu beantworten: Hier greifen je nach Lage und Ausführung verschiedene Landes- und Bundesgesetze, teils auch gleichzeitig. Linnemannstöns gab einen Überblick, riet aber dazu, vor dem Tunnelbau den Einzelfall abzuwägen und seine Drähte vor Ort zu nutzen, um die Genehmigungsfähigkeit herauszufinden  – „da kann Ihnen niemand helfen“.

In Punkto „will ich das?“ verwies der Diplomagraringenieur auf die Kosten – nur wenn die Beeren zu passenden Preisen verkäuflich sind, lohnt die Investition. Auch die Frage, ob man Freude an der eher gärtnerischen als landwirtschaftlichen Arbeit im Stellagentunnel hat, warf er auf. Allerdings resümierte er: „Wer in den nächsten 20 Jahren weiter Erdbeeren produzieren will, wird irgendwann nicht darum herumkommen.“

Dann gab er Tipps zu Standortwahl bei der Stellagenanlage: Er empfahl Gelände mit 0,5 bis 1% natürlichem Gefälle und guter Wasserversorgung. „Treffen Sie keine Entscheidung, ohne die Wasserqualität und die verfügbare Wassermenge zu kennen“, legte er den Hörern ans Herz.

Angesichts der Vielfalt der technischen Möglichkeiten warb Linnemannstöns dafür, sich vor dem Bau genau über die einzelnen Varianten zu informieren, beraten zu lassen und dann die technischen Einrichtungen sorgfältig zu planen.
Am Beispiel „Einzeltunnel mit Stellage“ zeigte er die Fülle der Ausstattungsmöglichkeiten auf. Dringend empfahl er eine großzügige Dimensionierung der Kopf- und der Verteilleitungen und eine planvolle Nutzung des Dränwassers.

Bei Investitionskosten ab 200.000€/ha kalkulierte Linnemanstöns Direktkosten für im Tunnel auf Stellagen angebaute Erdbeeren von mindestens 2,50€/kg.

Sein Fazit: Ein Mindestpreis von 3,00€/kg sollte am Markt durchsetzbar sein, damit sich diese Investition rechnet.

 

Foto: Heike Sommerkamp

Ludger Linnemannstöns

Geschmackvollere Erdbeeren produzieren

So lautete Linnemannstöns‘ zweites Vortragsthema.
„Mit dem Geschmack ist das nicht so ganz einfach“, dämpfte er Erwartungen nach „dem“ idealen Geschmack:
Geruchssinn, Mundgefühl, Textur, Temperatur, die kulturelle Prägung und nicht zuletzt Stimmung und Gedanken des Probierenden bestimmen das Geschmacksempfinden entscheidend mit.

Beispiel Äpfel: In Norddeutschland ist der säuerliche Elstar besonders begehrt, im Süden Deutschlands der süße Jonagold.

Auch bei Erdbeeren mag es Süddeutschland süßer als der Norden, so Linnemanstöns.

Der Zuckergehalt gibt einen ersten Indikator, entscheidet aber nicht allein über die Geschmacksqualität, zeigte Linnemannstöns an Hand von Verkostungsergebnissen.

 

Positive Einflüsse auf den Geschmack verortete der Diplomagraringenieur bei folgenden Faktoren:
– gute Standorte
– nicht zu enge Anpflanzung
– gutes Blatt-Frucht-Verhältnis
– gesunde, wüchsige Pflanzen
– vollreife, tagesfrische Ernte
Interessant im geschützten Anbau: Auch niedrige Nachttemperaturen verbessern den Geschmack.

 

 

Foto: Heike Sommerkamp

Peter Funck

Peter Funck, Betriebsleiter in Eisenberg, legte vor den Kollegen die Zahlen offen auf den Tisch.
„Tunnelanbau – Kostenkalkulation eines Betriebsleiters: Was bleibt übrig?“ so sein Vortrag, der interessiert aufgenommen und angeregt diskutiert wurde.

 

 

 

 

 

Gesund bleiben trotz Saisonstress

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Dr. Renate Spraul

Arbeitswissenschaftlerin Dr. Renate Spraul richtete den Blick auf die Pflege des Betriebsleiters:
Damit der monatelange Stress in der Saison keine bleibenden Spuren hinterlässt, riet sie zur Achtsamkeit mit sich selbst und wichtigen Mitarbeitern.

Realistischer Weise empfahl sie keine zeitaufwändigen Yoga- oder Entspannungsübungen, sondern gedankliche Minipausen. Zum Beispiel unter der Dusche oder beim Essen.

„Sie können ganz viele Dinge jetzt noch klären, die Saison kommt bestimmt“, warb sie für die Regelung möglichst vieler familiärer, organisatorischer und arbeitsablauftechnischer Fragen vor Saisonbeginn.

Den Burnout durchaus beim Namen nennend, beschrieb sie frühe Warnsymptome auf dem Weg dorthin. Dann heißt es Grenzen erkennen, Regenerieren  – und Delegieren, riet Spraul.  Auch wenn das Betroffenen gerade in Druckphasen schwer fällt.

 

 

 

Kühltechnik für Beerenobst

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Gerhard Frisch

Praktikable Möglichkeiten rund um die Beerenkühlung stellte Kältebaumeister Gerhard Frisch (Firma Mefus + Frisch) an Hand der eigenen Produktpalette vor.
Besonders die von mini (also für 2-6 Paletten) bis lagerhausfüllend erhältliche Kombi-Zelle stieß auf großes Interesse. Dank eines klappbaren Luftleitbleches kann sie gleichzeitig für Schnellkühlung und als Kühllager genutzt werden.

Interessantes Detail: Manche Anlagenbetreiber setzen in der energiezehrenden Schnellkühlungsphase Notstromaggregate ein. Das erspart ihnen die Aufrüstung ihres Stromanschlusses.

Frisch empfahl folgende Lagertemperaturen für Beerenobst:
– Lagerung bis 24 Stunden: +8°C bis +12°C (je nach Außentemperatur)
– Lagerung bis 48 Stunden: +4°C bis   +5°C
– Lagerung ab 48 Stunden:  +1°C bis   +2°C

Für die Erwärmungsphase stellte der Kältebaumeister ein Verfahren vor, das ein Beschlagen der Früchte verhindert: Jede Palette wird in kaltem Zustand eng in Folie eingewickelt. Im Laufe der Temperaturanpassung schlägt das Kondenswasser sich dann an der Folie und nicht an der Ware ab.

 

 

Foto: Heike Sommerkamp

Jan van Leeuven

Versuch: Einfluss von Anbauparametern auf die Botrytisempfindlichkeit

Den an zwei Standorten gelegenen Erdbeerhof Glantz – ca. 100 ha Betriebsfläche  in Schleswig-Holstein, 450 ha in Mecklenburg-Vorpommern – stellte Betriebsleiter Jan van Leeuven vor.
Besonders interessant: Nach mehrjährigen Praxisversuchen stellte van Leeuven die These auf, dass Botrytisbefall bei Erdbeeren mindestens so stark vom Anbau wie vom Spritzen beeinflusst wird. Zwar hatte er Botrytis mehrfach mit Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgreich bekämpft, aber auf dem Vergleichsfeld mit den nachfolgend beschriebenen Maßnahmen ein vergleichbares Ergebnis erzielt.

Sein Tipp:
– Anpflanzung auf Dämmen
– Ausrichtung der Dämme längs der Hauptwindrichtung
– Pflanzen nicht zu dicht setzen
– Drainagen zur Vermeidung von Staunässe
– gut dosierte Beregnung und Düngung

 

Versuch zur Ausläuferreduzierung

Auch van Leeuvens Bericht über Versuche zur Ausläuferreduzierung stieß bei den Kollegen auf reges Interesse.
Nach Einsatz von Regalis (einmalig bzw. zweimalig, je 1,5l) im Malwina-Bestand reduzierten und verkürzten sich dort die Ausläufer deutlich. Zudem präsentierten sich die Pflanzen grüner, kompakter und mit deutlich mehr Rhizomen und größerem Wurzelvolumen als auf der Vergleichsfläche. Unabhängig davon nahmen auch andere Stellen Versuche mit Regalis vor.
Auch wenn nach dem ersten Versuchsjahr noch einige Fragen offen blieben, bewertete van Leeuven das Mittel vorerst positiv. „Damit können wir uns ʹnen Haufen Arbeit sparen“, freute er sich. Regalis wird, so van Leeuven, eventuell noch 2017 zugelassen.

 

Foto: Heike Sommerkamp

Gedenken an Karl-Heinz Dahl († 3. März 2016), einen Grandseigneur der Erdbeerbranche

Botrytis – Hauptthema des zweiten Tages

Der gesamte Vormittag des letzten Seminartages war dem Thema Botrytis gewidmet. Nach den Erfahrungen der vergangenen Saison für viele Betriebe ein besonders relevantes Thema. Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Beratung hielten in einem hochkarätig besetzten Forum kurze Referate, die sie anschließend lebhaft mit dem Auditorium diskutierten.

Mehr dazu in einem gesonderten Artikel.

 

 

 

 

Weitere Berichte zu den 24. Freckenhorster Beerenobst-Tagen:

Eric Boot und Ludger Linnemannstöns im Interview (Video)

„Alles unter 100% gilt einem Holländer als Verlust!“ (Eric Boot, mit einem Augenzwinkern)

Botrytis – DAS Thema 2016

 

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