Mit Kanonen auf Wolken schießen oder mit Flugzeugen in sie hinein fliegen zum Impfen – wenn es um Maßnahmen gegen Hagel geht, ist die Menschheit schon lange erfinderisch.

Schon seit dem 15. Jahrhundert wird mit Wetterläuten und Wetterschießen versucht, das Wetter zu beeinflussen und fast ebenso lange trennen sich die Gläubigen dabei von den Ungläubigen.

Für die einen sind Hagelkanonen und Hagelflieger technische Innovationen, für andere Scharlatanerie.

 

 

Hagelflieger

 

Mit besonders ausgerüsteten Flugzeugen sollen Wolken gegen Hagel geimpft werden. Die so gennannten Hagelflieger bringen feinste Silberiodid-Partikel unter der Wolkenbasis aus.

Durch Aufwinde sollen diese Partikel dann in die Gewitterwolke transportiert werden.

Die künstlich in die Wolke eingebrachte Kristallisationskeime sollen zu einer vermehrten Bildung von Hagelkörnern führen.

Diese sollen durch die Impfung kleiner bleiben und beim Aufprall weniger Schaden anrichten.

Zudem soll es dadurch auch zur Bildung größerer Regentropfen kommen, so dass es zu einem verstärkten und früheren Abregnen kommt.

Dadurch soll die Hagelbildung sogar gänzlich vermeidbar sein und in trockenen Gebieten die Niederschlagsmenge erhöht werden.

Die Mehrheit der deutschen Meteorologen bezweifelt allerdings die Wirksamkeit der Methode, für die bislang auch kein wissenschaftlich fundierter Nachweis erbracht werden konnte.

Zudem ist sie für Landwirte teuer und bietet gegenüber einer Hagelschlagversicherung kaum finanzielle Vorteile, da neben dem Flugzeug allein die Bereitstellung eines Piloten auf Dauer finanziell nicht stemmbar ist.

Deswegen sind nur wenige Hagelflieger im Einsatz, viele davon im Auftrag von Zusammenschlüssen wie einer Winzergenossenschaft aus Rheinland-Pfalz.

 

 

Hagelraketen

 

Neben den Fliegern wurden auch Raketen eingesetzt, um Kondensationskeime in potenzielle Hagelwolken einzubringen.

Bereits im 18. Jahrhundert sollte die Wucht der Detonation dazu dienen, die Wolken zu zerstreuen.

Diese Methode erwies sich in den dazu durchgeführten Studien als unwirksam, wurden aber dennoch bis weit ins 20. Jahrhundert durchgeführt.

Seit Ende der 1940er Jahre enthalten Hagelraketen Silberiodid, das bei der Explosion der Rakete freigesetzt wird.

Die Raketen erreichen je nach Modell Flughöhen von 1.500 m bis 14.000 m. In der Schweiz gibt es immer noch Hagelschützen, die diese Art von Raketen abfeuern.

 

 

Hagelkanonen

 

Früher wurden auch mit Hagelkanonen normale Geschosse auf Wolken abgefeuert. Inzwischen arbeiten viele Hersteller mit Schockwellen.

Hagelkanonen stellt u.a. die belgische Firma Inopower her.         Bild: Inopower

Einer dieser Hersteller ist die belgische Firma Inopower.

Mit der von Marnix van Praet erfundenen Kanone werden alle fünf Sekunden ionisierende (energiereiche) Schockwellen in die Luft geschossen.

Diese erreichen schnell die höhere Atmosphäre bis zu 10 000m bei -50°C, wo der Hagel entsteht.

Ein Teil der Wellen prallt zurück und durch die ständige Auf- und Abbewegung der Wellen entsteht eine Vermischung der Polaritäten in der Wolke.

Diese hat eine Kettenreaktion mit Miniexplosionen zur Folge, wodurch die Eiskristalle instabil werden sollen.

Sie können keine Wassertropfen oder Wasserdampf mehr aufnehmen. Sie fallen herunter und durchqueren im Fall die Störungszone, die durch die Schockwellen verursacht wird.

Der potenzielle Hagel fällt letztendlich als Regen oder nasser Schnee auf die Erde.Unter der Hagelkanone befindet sich eine Explosionskammer. Dort wird Acetylen eingespritzt, welches sich mit Stickstoff und Sauerstoff aus der Luft vermischt, um die Schockwelle zu erzeugen.

Weitere Informationen gibt es auf www.inopower.be

 

 

 

Protesthagel bleibt nicht aus

 

Auch wenn die Effektivität von Hagelkanonen umstritten ist, werden sie in der Landwirtschaft gern eingesetzt.

Doch nicht selten werden die Kanonen von Anwohnern und anderen Landwirten mit Skepsis betrachtet oder es wird Protest laut – was vor allem an der hohen Geräuschkulisse liegt, die die Kanone generiert: bis zu 200 Dezibel (gemessen an der Quelle), was einem startenden Düsenjet entspricht.

Bereits 2006 hatte zum Beispiel Obstbauer Leo Pelzer drei Anlagen der ersten Generation der Hagelkanone in Waldfeucht-Schöndorf installiert, um seine Erdbeerfelder vor Hagel zu schützen.

Damit stieß er aber nicht nur auf Gegenliebe: Benachbarte Landwirte befürchteten, dass die Kanone Niederschlag abhalten würde und Anwohner beschwerten sich über die Lautstärke.

„Das war ziemlich schlimm, das war reine Panikmache, weil die Leute es nicht kannten. Eine Hexenjagd im Mittelalter war nichts dagegen“, erinnert sich Leo Pelzer.

Inzwischen sind die Wogen geglättet, die Anwohner und Landwirte wurden umfassend über die Funktion der Kanone aufgeklärt und mit dem Bauamt wurde ein Einsatz der Kanone mit mindestens 400 Meter Entfernung zur Bebauung festgelegt.

„Auch wenn es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit gibt, sehen wir einen Effekt: Wenn wir bei einem Gewitter eine dichte Wolkendecke über uns haben und dann die Kanone einsetzen, sieht man, wie sich über uns die Decke kreisförmig öffnet und die Sonne wieder sichtbar wird. Wir bringen oben die Sache in Bewegung – so als würde man Kieselsteine in die Mitte eines Pools werfen. Seitdem wir die Kanonen im Einsatz haben, hat es bei uns nicht mehr gehagelt“, sagt Pelzer.

Allerdings sei für den Einsatz eine gute Vorbereitung notwendig und auch eine eigene Wetterstation, um den Zeitpunkt zum Einsatz nicht zu verpassen.

 

 

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