Über den Dächern von Paris werden Obst, Gemüse und Kräuter angebaut.                                                            Bild: Nature Urbaine / Valode&Pistre Architectes

 

 

 

 

Erdbeeren ernten mit Blick auf den Eiffelturm?

Das geht: in Nature Urbaine, einem Bauernhof auf den Dächern von Paris.

Der Rückgang der biologischen Vielfalt, der Klimawandel, die Erschöpfung der Böden und die Erschöpfung fossiler Brennstoffressourcen sind Faktoren, die unser Agrarlebensmittelsystem anfällig machen. Die urbane Landwirtschaft kann helfen, diese Herausforderungen anzugehen.

Die städtische Landwirtschaft boomt nicht nur in Frankreich und entwickelt sich auf der ganzen Welt in neuen Formen: 54% der Weltbevölkerung leben bereits jetzt in Städten, und die Zahlen steigen.

 

 

Das Projekt Nature Urbaine

 

Nature Urbaine befindet sich auf dem Dach des Pavillons 6 der Pariser Expo am Porte de Versailles im 15. Arrondissement von Paris.

An der Spitze des Projekts stehen die Firmen Agripolis und Cultures en Ville, zwei Experten für städtische Landwirtschaft, die den agro-ökologischen Übergang von Städten unterstützen.

Sie haben begonnen, das Dach des Pavillons 6 auf der Pariser Expo zu begrünen. Bis 2022 soll dort die größte städtische Dachfarm in Europa entstehen.

Die Auswahl an Sorten und Nährstoffen ermöglicht es schon jetzt, mitten im Herzen von Paris qualitativ hochwertiges, schmackhaftes Obst und Gemüse zu produzieren, das ohne Pestizide angebaut wird.

„Heute sind wir die einzigen, die diese Art von Farm entwickeln. Unser Ziel ist es, die Lebensfähigkeit und Relevanz der städtischen Landwirtschaft auf diesem Standort zu demonstrieren. Aufgrund seiner Größe und der verwendeten Anbautechnik wird der Betrieb eine erhebliche Menge Obst und Gemüse produzieren. In Bezug auf den Pariser Verbrauch bedeutet dies jedoch nur einen Wassertropfen!“, sagt Pascal Hardy, Präsident von Nature Urbaine.

Neben der reinen Produktion möchten die Entwickler mit ihrem Projekt auch das Bewusstsein der Bürger schärfen und sie für eine verantwortungsvolle Produktion begeistern. Deshalb finden Führungen und Workshops auf dem Gelände statt.

 

Das Gelände ist für die Bürger von Paris geöffnet, Workshops und Führungen finden regelmäßig statt. Bild: Nature Urbaine / Valode&Pistre Architectes

 

 

 

Städtische Landwirtschaft

 

Zwischen 367.000 km2 und 641.000 km2 Stadtraum auf der ganzen Welt könnten zur Herstellung von Gemüse verwendet werden, zeigt eine Studie von Forschern der Universitäten von Peking, Berkeley und Arizona.

Laut der Experten könnten auf diesen Flächen jedes Jahr 100 bis 180 Millionen Tonnen Lebensmittel produziert werden. Zeitgleich könnten dabei bis zu 125 Milliarden Euro an Strom und Kraftstoff eingespart werden: aufgrund der Isolierung von Gebäuden und einer Verringerung des Warentransports.

Die städtische Landwirtschaftsbewegung ist auch in Frankreich nicht neu, da es auch dort seit über 150 Jahren Kleingärten gibt. Während der beiden Weltkriege wurde sogar der Louvre mit Lauch bepflanzt.

Momentan gibt es 80 Unternehmen in Frankreich, die an 600 Standorten urbane Landwirtschaft betreiben. Mehr als 76 Hektar davon befinden sich in städtischen oder stadtnahen Gebieten im Großraum Paris.

In Frankreich haben Agripolis und Kanopée Koncept bereits in Floirac, einem Vorort von Bordeaux, ein Gewächshaus für die städtische Landwirtschaft geschaffen. Das 300 m2 große Gewächshaus kombiniert die Prinzipien der Permakultur mit innovativen Produktionstechniken und kann so auch auf allen anderen statisch geeigneten Flachdächern installiert werden.

Nature Urbaine soll bis 2022 die größte städtische Dachfarm in Europa werden und sich über eine Fläche von 14.000 m2 erstrecken (entspricht der Fläche von zwei Fußballfeldern), auf der rund zwanzig Gärtner in der Saison täglich mehr als tausend Obst- und Gemüsesorten produzieren sollen.

 

 

 

Wie funktioniert’s?

 

Obst, Gemüse und Kräuter werden mit zwei Anbautechniken hergestellt: Aeroponik (in Säulen) und Hydrokultur (in Rinnen).

 

Hydroponik

 

Auberginen wachsen bei der Hydroponik in horizontalen Rinnen auf einem Kokosfasersubstrat.          Bild: Nature Urbaine

 

 

Kletterpflanzen wie Paprika, Auberginen, Tomaten, Kürbis, Chilischoten und essbare Blumen wachsen bei der Hydroponik in horizontalen Rinnen auf einem Kokosfasersubstrat.

 

Dieses wird permanent durch eine Mischung aus Wasser und Nährstoffen bewässert.

 

Als Rankhilfen dienen ihnen Schnüre, die über Bambus- und Metallstrukturen gespannt sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Aeroponik

 

Die Aeroponik ist eine vertikale Säulenkultur mit einem eigens von Agripolis entworfenen Design.

 

Auch Erdbeeren werden in der vertikalen Säulenkultur angebaut. Bild: Nature Urbaine

 

In den in regelmäßigen Abständen an den Längsseiten von Vertikalrohren angebrachten Löchern werden Pflanzen wie Kräuter, Salate, Erdbeeren (Sorten: Charlotte und Cijosée) sowie Blattgemüse so befestigt, dass sich ihre Wurzeln im hohlen Rohrinneren befinden.

Dort werden die Wurzeln regelmäßig mit einer Mischung aus Wasser und Nährstoffen übersprüht, die in einem völlig geschlossenen Kreislauf zirkulieren.

 

Dieser Cocktail ermöglicht es den Wurzeln, sich im Wassernebel leicht zu entwickeln. Dies begrenzt nicht nur die Verschmutzungsquellen, da das Wasser und die Wurzeln niemals mit der Umgebungsluft in Kontakt kommen, sondern ermöglicht auch ein sehr wirtschaftliches Wassermanagement.

 

 

 

 

 

Die Aeroponik benötigt nur 10% des Verbrauchs, der bei einem herkömmlichen Anbau benötigt würde, um die gleiche Menge zu produzieren.

Diese beiden Formen des Anbaus sparen Wasser, Nährstoffe und verhindern vor allem, dass Pflanzen Schwermetalle über ihre Wurzeln aufnehmen.

Der vertikale Anbau ermöglicht es auch, fünfmal so viel je Quadratmeter zu produzieren wie am Boden.

34% der Fläche des Dachgartens sind momentan dem Anbau mit Aeroponik und Hydrokultur gewidmet. Sie umfassen eine betriebliche Produktionsfläche von über 4.500 m2 mit 696 Säulen und 1.428 Anbaurinnen.

 

 

In 1428 Rinnen und 696 Säulen werden derzeit Obst und Gemüse angepflanzt. Bild: Nature Urbaine

 

 

Rund 200 kg saisonales Obst und Gemüse können zwischen Mai und Oktober pro Tag geerntet werden.

22 Gärtner sollen auf lange Sicht bei Nature Urbaine beschäftigt werden und 20 Arten Obst- und Gemüse anbauen.

135 private Anbauparzellen mit einer Gesamtanbaufläche von 250 m2 können zudem an Bürger vermietet werden.

Bis 2022 sollen 1.832 Säulen und 3.540 Anbaurinnen auf einer entsprechenden Produktionsfläche von 80.000m2 stehen.

 

 

 

Wer konsumiert‘s?

 

Täglich wird die Ernte von Nature Urbaine gesammelt und an die umliegenden Restaurants und Hotels verteilt.

Auch zwei Supermärkte in der Nähe der Porte de Versailles bieten ihren Kunden momentan das Obst und Gemüse von Urbaine Nature an, das nur wenige Meter entfernt geerntet und produziert wird.

Im Herzen von Nature Urbaine heißt zudem das Le Perchoir Porte de Versailles die Pariser willkommen.

Diese Bar mit Restaurant erstreckt sich eingebettet auf der Panoramaterrasse des Pavillons 6 des Messegeländes Porte de Versailles.

Das 250 m² große Restaurant und die 489 m² große Terrasse mit Blick auf die 14.000 m2 großen städtischen Kulturen bieten Platz für bis zu 400 Personen.

Auf der Speisekarte von La Table du Perchoir stehen hauptsächlich die direkt vor der Tür angebauten Produkte.

 

https://leperchoir.fr/

 

 

 

Wer hat’s erfunden?

 

Nature Urbaine wurde von den Teams von Pascal Hardy (Agripolis) und Antoine Juvin (Cultures en Ville) entworfen und gebaut.

 

Pascal Hardy, Präsident von Nature Urbaine, ist Agrarentwicklungsingenieur und durch seine Erfahrungen als Berater und Unternehmer ein Experte für nachhaltige Entwicklung geworden.

Er arbeitete zunächst als Ingenieur für verschiedene internationale Projekte (Kanada, Zentralafrika) und wurde dann Berater für Strategie und Organisation.

Anschließend erstellte und entwickelte er die Beratungsaktivitäten für nachhaltige Entwicklung für die Capgemini Ernst & Young-Gruppe und wurde zum internationalen Direktor für Umwelt- und CSR-Audit und -Beratung für die Intertek-Gruppe ernannt.

2011 gründete er das Startup iNex Circular, eine Plattform für die Kreislaufwirtschaft.

Ende 2016 startete er Agripolis mit der Intuition, dass die städtische Landwirtschaft dazu beitragen kann, die Stadtbewohner mit innovativen Methoden zu ernähren.

 

Antoine Juvin, CEO von Nature Urbaine, stammt aus einer Bauernfamilie in Sarthe und ist ein Agraringenieur, der seine akademische Laufbahn am Institut Supérieur de l’Agriculture de Lille und AgroParisTech abgeschlossen hat und ein Spezialist für städtische Landwirtschaft ist.

Er begann seine Karriere als Forschungsingenieur im Forschungslabor “Agricultures Urbaines” von AgroParisTech / INRAE.

In seiner Diplomarbeit schrieb er über Ökosystemleistungen der städtischen Landwirtschaft.

2015 gründete er Cultures en Ville, ein Pionierunternehmen, das Gemüsegärten und städtische Bauernhöfe entwirft und betreibt.

 

www.nu-paris.com

 

 

 

 

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