Die Ausstellung “Countryside, The Future” läuft noch bis zum 14. August im Guggenheim Museum.     Bild: David Heald © Solomon R. Guggenheim Foundation

 

 

Landwirtschaft kann auch große Kunst sein.

Das zeigt die aktuelle Ausstellung des Guggenheim Museums in New York.

„Countryside, The Future“ befasst sich mit dringenden ökologischen, politischen und sozioökonomischen Fragen aus der Sicht des Architekten und Urbanisten Rem Koolhaas und von Samir Bantal, Direktor von AMO, dem Think Tank des Office for Metropolitan Architecture (OMA).

Die beiden sehen die Zukunft der Menschheit nicht in den Städten, sondern auf dem Land, in Dörfern, unbebauten Gebieten, auf Äckern und im Permafrost.

 

 

Die Ausstellung

 

Blick in die Ausstellung. Bild: David Heald © Solomon R. Guggenheim Foundation

 

Die Ausstellung beschäftigt sich mit ländlichen, abgelegenen und wilden Gebieten.

Diese werden hier gemeinsam als „Countryside“, also „Land“ bezeichnet und meinen die 98% der Erdoberfläche, die nicht von Städten besetzt sind.

Die Ausstellung will die moderne Konzeption von Freizeit, groß angelegte Planungen durch politische Kräfte, Klimawandel, Migration, menschliche und nichtmenschliche Ökosysteme, marktorientierte Erhaltung, künstliches und organisches Zusammenleben und andere Formen radikaler Experimente untersuchen, die Landschaften in der ganzen Welt verändern.

 

 

 

 

Die Idee

 

Im Juni 2014 veröffentlichten die Vereinten Nationen den Bericht „World Urbanization Prospects“, der besagt, dass die Hälfte der gesamten Menschheit schon jetzt in Städten lebt, und dass „die Verwaltung städtischer Gebiete zu einer der wichtigsten Entwicklungsherausforderungen des 21. Jahrhunderts geworden ist“.

Der Bericht legte den globalen Fokus auf nachhaltige Urbanisierung und ignorierte somit die andere Hälfte der Weltbevölkerung, die unter ländlichen Bedingungen lebt.

 Die Ausstellung ist ein Versuch der Berichtigung. „Countryside, The Future“ bestreitet die Annahme, dass eine zunehmende Urbanisierung unvermeidlich ist. 

Die Ausstellungsmacher Rem Koolhaas; Troy Conrad Therrien, Curator of Architecture and Digital Initiatives, Solomon R. Guggenheim Museum; Samir Bantal, Director of AMO. Bild: Kristopher McKay © Solomon R. Guggenheim Foundation, 2019

Eine zentrale These der Ausstellung ist, dass die gegenwärtige Form des städtischen Lebens die Organisation, Abstraktion und Automatisierung des ländlichen Raums in einem beispiellosen Ausmaß erforderlich gemacht hat.

Datenspeicherung, Gentechnik, künstliche Intelligenz, Roboterautomatisierung, wirtschaftliche Innovation, Arbeitsmigration und der private Kauf von Land zum ökologischen Schutz werden in vielen Fällen deshalb auf dem Land aktiver erforscht und experimentiert als in der Stadt. 

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf bestimmte ländliche Bedingungen liegen einem Großteil der Schau zugrunde.

„In den letzten zehn Jahren habe ich festgestellt, dass sich ein Großteil unserer Energien und Intelligenz auf die städtischen Gebiete der Welt konzentriert hat, die Landschaft sich jedoch unter dem Einfluss der globalen Erwärmung, der Marktwirtschaft und amerikanischer Technologieunternehmen, Afrikanischer und Europäischer Initiativen, chinesischer Politik und anderer Kräfte dramatisch verändert hat“, sagt Rem Koolhas.

Der 75jährige niederländische Stararchitekt hat sich bisher mit der Gestaltung von Städten beschäftigt, baute unter anderem das Garage Museum of Contemporary Art in Moskau oder die Seattle Central Library.

Nun hat er sich der Geschichte der unbebauten Landschaft gewidmet: „Diese Geschichte ist weitgehend unbekannt und es ist von besonderer Bedeutung, sie in einem der größten Museen der Welt in einer der dichtesten Städte der Welt zu präsentieren“.  

 

 

Die Exponate 

 

Die Ausstellung ist eine Sammlung neuer und alter Ideen, die darauf abzielen, die Dynamik der Landschaft wiederzuentdecken.

 

Stereotypen des ländlichen Lebens pflastern sogar den Boden des Museums. Bild: Laurian Ghinitoiu courtesy AMO

 

Im Verlauf der Ausstellung werden Fragen zur Entwicklung und Rolle des ländlichen Raums im Laufe der Zeit behandelt: Was war das Land historisch, was haben die wichtigsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts für uns vorbereitet, wie ist der aktuelle Zustand, was muss getan werden für die Zukunft und wie könnte dies Gestalt annehmen?

Auf den sechs Ebenen des Museums werden Geschichten und Veränderungen der Landschaft dargestellt in einer Mischung aus Bildern, Filmen, Archivmaterialien, Tapetengrafiken, einem bedruckten Vorhang, Objekten, Text und reproduzierten Kunstwerken sowie Roboterskulpturen.

 

 

 

 

Automatisierung bei der Ernte ist eines der Schwerpunktthemen der Schau. Bild: Laurian Ghinitoiu courtesy AMO

 

Schon vor dem Museumseingang in der Fifth Avenue kultiviert ein hermetisch versiegelter industrieller Anbaubehälter Tomaten unter rosa LED-Lichtern und einem fein abgestimmten Mikroklima.

Eine „Semiotiksäule“ veranschaulicht durch eine Matrix von Modekampagnen, Spielzeug und Country-Musik Fantasien und Stereotypen des ländlichen Lebens.

Mit visuellen und textuellen Collagen wird auf einem Vorhang die Geschichte der Freizeit auf dem Land nachgezeichnet, von frühen römischen und chinesischen Kulturen, über Marie Antoinette und die Hippie-Gegenkultur bis hin zur gegenwärtigen globalen Wellnessbranche.

 

 

 

 

Künstliche und sterile Umgebungen werden verwendet, um die ideale organische Probe herzustellen. Die heutigen Glashäuser enthalten alle wesentlichen Bestandteile des Lebens, aber keine der Redundanzen: Sonne, Boden und Wasser werden emuliert, optimiert und schließlich automatisiert. Photo: Luca Locatelli

Auch zwei radikale wissenschaftliche Ansätze werden gezeigt:

Der erste, “Half Earth”, basiert auf dem Manifest von E. O. Wilson aus dem Jahr 2016. Dies impliziert eine drastische Trennung zwischen einer fast unberührten Natur einerseits und menschlicher Besiedlung und Kultivierung andererseits.

Der zweite, “Shared Planet”, schlägt eine intensivere Vermischung aller unserer Gebiete vor.

Beide Ansätze implizieren radikale Veränderungen in der Lebensmittelproduktion, der Ideologie und den landwirtschaftlichen Techniken.

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung ist – nach der Aufhebung der Corona-bedingten Schließungen öffentlicher Einrichtungen – noch bis zum 14. August 2020 im Guggenheim Museum zu sehen.

Weitere Informationen gibt es unter https://www.guggenheim.org/exhibition/countryside

 

 

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